Laudatio – Walter Jungleib

Laudatio Insa Gall, Hamburger Abendblatt

Was machen Jugendliche in den Sommerferien? Sie verreisen oder gehen ins Schwimmbad, ins Kino, treffen sich mit Freunden oder chillen einfach.

DAS SCHICKSAL VON WALTER JUNGLEIB Ein Film über eines der Kinder vom Bullenhuser Damm von Merle Lutz und Stela Vitalosova PATIN: Insa Gall

Merle Lutz und Stella Vitalosova haben etwas anderes gemacht. In den vergangenen Sommerferien besuchten sie einen einwöchigen Geschichtskurs, im Rahmen des Erinnerungsprojekts „Hamburg Memory“.

Ich habe selbst Geschichte studiert und finde die Linien, die von der Vergangenheit in die Gegenwart und die Zukunft führen, faszinierend. Das Engagement dieser beiden Mädchen aber, die so sehr für Geschichte brennen, dass sie ihre Ferien damit verbracht haben, hat mich berührt.

Und genauso bewegt hat mich auch der Film, der dabei entstanden ist. Er erzählt in zwei Teilen das Leben von Walter Jungleib, einem der Kinder vom Bullenhuser Damm. In der ersten Hälfte wird die Geschichte aus seiner Sicht geschildert – von seiner Kindheit bis zu dem Tag, als man ihn und die anderen Kinder abholte, angeblich um sie zu ihren Eltern zurückzubringen, und in einen Keller führte. Im Film wird es in diesem Moment schwarz, denn in dem Keller findet Walter nicht seine Eltern, sondern den Tod. Erzählt wird nur das, was das Kind selbst wissen kann, ohne historische Erklärungen oder Einordnung. Das macht es so unmittelbar, so kraftvoll. Sie wollten, haben mir Merle und Stella erzählt, dass sich der Zuschauer ganz in Walter hineinversetzt. Das ist gelungen.

Der zweite Teil ist nicht weniger berührend. ER ordnet ein und erzählt die Geschichte weiter: Von Walters Angehörigen, seiner Schwester Grete, die jahrzehntelang nicht wusste, was mit ihrem Bruder passiert war. Erst 2015 wurde sein Schicksal durch einen Zufall aufgedeckt. Schwester Grete kam 2016 aus Israel nach Hamburg. Merle und Stela haben ihr und den Angehörigen ihren Film geschickt, bevor sie ihn eingereicht haben — und die waren zu Tränen gerührt.

Sicherlich auch deshalb, weil der Film von schlichter, schnörkelloser Klarheit ist und gerade deshalb so beeindruckt – absolut preiswürdig!“