Laudatio – GESPRÄCHSRUNDE FÜR INTERRELIGIÖSEN AUSTAUSCH (GIRA)

Dr. Sabine Bamberger-Stemmann, Landeszentrale für politische Bildung

Dass GIRA ein besonderes Projekt ist, muss ich Ihnen nach diesem Intro nicht mehr vermitteln. Aber dass die Jury des BERTINI-Preises sehr glücklich ist, Sie auszuzeichnen, liebe Mitwirkende des Helmut-Schmidt-Gymnasiums, das sollten Sie wissen!

GIRA – GESPRÄCHSRUNDE FÜR INTERRELIGIÖSEN AUSTAUSCH Eine Initiative von ehemaligen Abiturientinnen und Abiturienten des Helmut-Schmidt-Gymnasiums PATIN: Dr. Sabine Bamberger-Stemmann

Ihr Schulleiter, Herr Clasing, hat mir bei einem Telefonat erzählt, was der Grund für dieses Projekt ist: die immer einmal wieder aufkommende Frage aus dem schulischen Alltag – auch von Eltern – auch von Schülern: „Freundschaften über kulturelle Grenzen hinweg – geht das?“ Und die Gefahr, der man wehren muss, dass diese Frage sich zu einer self-fulfilling-provicy wendet: nämlich zu Vorsicht, vielleicht sogar zu Ignoranz, zu Misstrauen gegenüber dem kulturelle Andern in den Familien der Jugendlichen einer Schule.

Man „beäugt sich, anstatt sich in die Augen zu schauen“, – dieser Abstand, der sich so leicht in Misstrauen wenden kann, ist für die projektbegleitenden Pädagogen und die Schule die Motivation, mit GIRA einen Gesprächsraum zu gründen, in dem alle alles sagen dürfen – und diesen Raum offen zu halten. Einen Raum, in dem Freundschaften und Diskurse über kulturelle Grenzen hinweg normal sind und selbstverständlich werden; in dem man Weihnachten zusammen begehen und Fastenbrechen erleben kann.

Es ist alles so „einfach“, sagte mir Herr Clasing, wenn man sich auf die Intuition im Gespräch verlässt. Dann kann man auch provokante Fragen stellen wie „Wann ist ein Deutscher ein Deutscher?“ – dann nimmt man ein Bild von zwei verschleierten jungen Damen und der Aufschrift „Ist Dir nicht heiß?“ zum Anlass einer Diskussion. Dann fühlt sich niemand beleidigt und niemand kann einen anderen verletzen: dann diskutiert man auf Augenhöhe.

Besa Bekteshi, Ahmet Kuyucu, Nurhayat Tüncer und Beyza Yilmaz – ehemalige Schülerinnen und Schüler des Helmut Schmidt-Gymnasiums haben das Projekt initiiert und leiten es noch heute – junge Menschen, die selbst auf die Idee gekommen sind, lieber zu reden als sich anzuschweigen! Wir sind Ihnen dankbar dafür und wir sind froh, dass mehrere Lehrerinnen und Lehrer des Helmut Schmidt Gymnasiums, u.a. Herr Gleitsmann, Frau Teucher und Herr Nacalri Sie unterstützen und dafür Sorge tragen werden, dass Ihre Nachfolgerinnen und Nachfolger an der Schule dieses wichtige Projekt übernehmen können.

Sie wollen Wirkung in die Schulgemeinschaft UND nach außen: in den Stadtteil. Damit wirken Sie in die Stadt, in die Familien, in die Gesellschaft – und das ist in bestem Sinne eines BERTINI-Preises würdig.