SchülerInnenforum trifft BERTINI-Initiative

„Mut im Netz“ auf dem 35. SchülerInnenforum im Landesinstitut für Lehrerfortbildung

Etwa 100 Schülerinnen und Schüler trafen sich am 7. Juli 2015 zum 35.SchülerInnenforum im Landesinstitut für Lehrerfortbildung (LI). Unter dem Titel „Mut im Netz“ arbeiteten die Jugendlichen unterschiedlicher Altersgruppen gemeinsam an Ideen, wie man im Internet gegen Gewalt und Mobbing vorgehen und das Netz für mehr Respekt und Toleranz nutzen kann. Impulsgeber für die Veranstaltung war die BERTINI-Initiative „Mut im Netz – für mehr Zivilcourage bei der digitalen Kommunikation.“

Zum Auftakt des lebhaften Vormittages im Landesinstitut für Lehrerfortbildung stellte Ulrich Vieluf vom BERTINI-Preis e.V. den Verein und die Initiative „Mut im Netz“ vor. Im Sinne des BERTINI-Preises, der junge Menschen für Projekte gegen Unrecht und Ausgrenzung oder für Zivilcourage auszeichnet, sei „Mut im Netz“ entstanden. „Denn heute erfahren viele Jugendliche Mobbing und Gewalt auch über die digitalen Medien“, so Ulrich Vieluf.

Und so haben sich innerhalb der Initiative Schülerinnen und Schüler von vier Schulen in den vergangenen zehn Monaten intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und Lösungsvorschläge entwickelt. Ihre bisherigen Arbeitsergebnisse stellten sie auf dem Schülerforum erstmals öffentlich vor und gaben damit Anregungen für den weiteren Verlauf der Veranstaltung. Denn das Ziel des Schülerforums war es, nicht nur über Mobbing im Netz zu informieren, sondern auch mit „konkreten Ideen ‚rauszugehen und zu handeln“, wie es ein Schülervertreter formulierte.

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Wie unterschiedlich die vier beteiligten Schulen an die Thematik herangingen, zeigte sich bei deren Präsentation. So erläuterten Schülerinnen und Schüler der Klasse 8e der Stadtteilschule Stellingen ihre Arbeit an einer App und einem Blog zum Thema Cybermobbing. Sie hatten sich in Arbeitsgruppen aufgeteilt, und sich mit inhaltlichen und auch juristischen Fragen wie etwa den Urheberrechten befasst. Die Zehntklässler des Kurt-Körber-Gymnasiums hatten sich intensiv mit dem Thema Medienmanipulation auseinandergesetzt und unter anderem den Seminartag „Du kannst etwas bewegen“ an ihrer Schule durchgeführt. Vor dem Plenum des Schülerforums zeigten sie Beispiele von originalen und veränderten Fotos, die die Manipulation in der Kriegsberichtserstattung offenbarten.

Die Elbschule, die von Schülern mit Höreinschränkungen und gehörlosen Schülern besucht wird, präsentierte einen Filmausschnitt, in dem ein neuer Schüler in einer Gehörlosen-Klasse per Smartphone gemobbt wird. Die Elb-Schüler hatten zuvor ihre Mitschüler zum Thema Mobbing befragt und dazu Workskops und Filme hergestellt. Schüler der 7. Klasse der Stadtteilschule Am Hafen, Standort St.Pauli, berichteten von ihrem geplanten Blog zum Thema Mut und Zivilcourage als eine Art digitale Schülerzeitung mit Vernetzung im Stadtteil.

Nach der Präsentation setzten sich die Schülerinnen und Schüler zum Erfahrungsaustausch zusammen. Moderatorin Yvonne Vockerodt von „Mut im Netz“ präsentierte den jungen Zuhörern Fragen, die als Grundlage dienen sollten. Es ging um Themen wie Manipulation und Unrecht im Netz, aber auch um mögliche Beispiele von mutigen Aktionen im Netz und die Frage: wie wollt ihr euch einmischen?

Die Jugendlichen teilen sich in Gruppen auf und begannen zu arbeiten. Auf zuvor ausgeliehenen Notebooks schauten einige ins Internet und informierten sich noch einmal über die Ergebnisse der Schülerprojekte. Nachdem die Fragen beantwortet waren, kamen alle wieder im Plenum zusammen. Dort trat nach einigen Wortbeiträgen Christoph Berens vom LI vor die Schüler und fragte sie, ob das Thema Cyber-Mobbing ihrer Meinung nach zu viel in der Schule behandelt werde. Dies wurde von einigen Schülern bejaht, andere merkten allerdings auch an, dass in ihrer Schule noch gar nicht darüber gesprochen wurde. Die Diskussion kam in Gang als Christoph Berens fragte: „Was würdet ihr denn zum Thema Cyber-Mobbing einfordern?“

„Man kann das Mobbing nicht akzeptieren, man sollte sich an die Lehrer wenden“, meinte ein Schüler. Ein anderer sagte: „Meistens sind die Lehrer in diesem Bereich inkompetent.“ Was zu dem Vorschlag eines weiteren Schülers führte, ein Fach wie Zivilcourage einzuführen, „damit man weiß, was man machen kann.“ Daryoush Danaii von der SchülerInnenkammer Hamburg stellte fest, dass es gut wäre, wenn dieses Thema in allen Schulen gleich verteilt wäre. Und es kam der Vorschlag, Forderungen aufzustellen, wie mit Mobbing und Cyber-Mobbing umgegangen werden sollte.

Nachdem die Schülerinnen und Schüler gemeinsam einen britischen Filmbeitrag zum Cyber-Mobbing sahen, setzten sie sich noch einmal zur Gruppenarbeit zusammen und dachten über folgende Fragen nach: Ist die Lösung, die im Film gezeigt wurde, richtig? Was heißt Zivilcourage auch im Netz? Und was fordern Schüler von Lehrern, von der Schule, vom Schulsenator. In der darauffolgenden Besprechung im Plenum gab es viele Vorschläge, wie man mit Mobbing generell umgehen könnte. Weniger Ideen wurden dazu geäußert, wie man bei Cyber-Mobbing das Netz selbst im positiven Sinn nutzen kann. Hier zeigt sich, dass es beim Thema „Mut im Netz“ noch weiterer Aufarbeitung und Verbreitung bedarf.

Doch die Veranstaltung endete auch mit klaren Statements. Denn die Schülerinnen und Schüler wurden in der letzten Runde an diesem Vormittag von Christoph Berens aufgerufen, sich bei drei Behauptungen für die Antwort „stimmt“ oder „stimmt nicht“ zu entscheiden und sich vor einem der beiden entsprechend beschrifteten Zettel im Raum aufzustellen. Dieses Verfahren machte die Meinung der Jugendlichen sehr schnell sichtbar.

Auf die Behauptung „Lehrer können den Umgang mit Mobbing“ lernen versammelten sich die meisten Schüler vor dem Zettel mit der Aufschrift „Stimmt“. Die Behauptung „Guter Unterricht ist die beste Prävention“ wurde von der Mehrheit mit „Stimmt nicht“ beantwortet. Nur eine Schülerin sah auch in einem guten Unterricht eine Chance gegen Mobbing. Das letzte Statement „Wir alle können etwas gegen Mobbing tun“ wurde wieder von den meisten Schülern mit „Stimmt“ bewertet und mit dieser positiven Aussicht endete das 35.Schülerforum.

Lasst Euch nicht einschüchtern