Weg mit dem Zaun! (Laudatio)

Kirchenkreis Hamburg-Ost, Pröpstin Isa Lübbers:

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, hat der Namensgeber Eurer Schule, Erich Kästner, gesagt.
Für gut hat die Jury befunden, dass Ihr Euch erinnert habt, was auf dem Gelände neben Eurer Schule geschehen ist, und dass Ihr Euch eingemischt und die Initiative ergriffen habt, als 360 Menschen, die vor Krieg und Not aus ihrer Heimat geflohen sind, in der Nachbarschaft der Schule, hinter diesem spitzenbewehrten Zaun aus der NS-Zeit, untergebracht wurden.
Es war nicht leicht, diesen Zaun zwischen Eurer Schule und dem ehemaligen sogenannten „Versorgungsheim“ der Nationalsozialisten einzureißen, um mit den Menschen auf der anderen Seite in Kontakt zu kommen und sie bei uns willkommen zu heißen. Aber Ihr habt das Ziel nicht aus den Augen verloren. Das Nachbarschaftsfest vom letzten Sommer zeigt, dass der Zaun gefallen und Begegnung gelungen ist.

Damit nicht genug: Ihr habt weitere Pläne. Der Ausbau der ehemaligen Garage auf dem Gelände zu einem Ort, an dem sich Jugendliche unterschiedlicher Nationen einerseits begegnen und wo andererseits mit der menschenverachtenden NS-Vergangenheit, die an diesem Ort Realität war, auseinandersetzen können, ist auf dem Weg.

Das hat mich tief beeindruckt. So wollte ich Euch kennenlernen, bevor wir uns hier begegnen, und wollte den Zaun, den Ihr „eingerissen“ habt, sehen und Ihr habt mich eingeladen.

Und in der Begegnung mit Euch hat mich etwas anderes mindestens genauso beeindruckt, wie Euer Projekt: Es war die Selbstverständlichkeit, mit der Ihr das getan habt. Auf meine Frage, wie Ihr als Schulsprecherteam zu dieser Idee gekommen seid, habt Ihr Euch fast irritiert angesehen, geschwiegen, Euch angesehen und es mir dann, wie einem begriffsstutzigen Kind erklärt:
Dass Eure Schule kein abgeschotteter Ort ist und dass es Euch doch interessieren muss, wenn 360 Menschen neben der Schule einziehen und genau dort hinter diesem Zaun leben, auch viele Jugendliche. Dass die neuen Nachbarn ebenso zum Stadtteil gehören wie Ihr und Ihr sie willkommen heißen und kennenlernen wollt, neue Freunde finden und etwas dafür tun, dass sie gut in Hamburg ankommen können. Und dafür engagiert Ihr Euch, weit über die Schule und den Schülerrat hinaus.

Als ich Euch verließ, habe ich gedacht: Wenn unsere Zukunft in den Händen dieser jungen Leute liegt, dann ist sie gut aufgehoben.

Lasst Euch nicht einschüchtern