Erinnerung an Else Rauch (Laudatio)

Arbeiter Samariter-Bund, Michael Sander:

Erinnern, wenn andere vergessen! Dieser Aufgabe haben sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 12/2 der Beruflichen Schule für Wirtschaft und Steuern gestellt.

Diese berufliche Oberschule heißt offiziell H12. H12 soll jetzt mit H3 fusionieren. Was ergibt H12 plus H3? Man könnte meinen, das sei eine Aufgabe für den Mathe- oder Chemieunterricht.

Auf jeden Fall hatten die Schülerinnen und Schüler die Befürchtung, dass es wieder zu einem wenig inspirierenden Namen kommen könnte. Sie wollten einen eigenen Vorschlag unterbreiten und haben sich im Rahmen der Fächer Deutsch und Politik auf Spurensuche begeben.

Die neue fusionierte Schule soll ihren Standort in der Lutterothstraße in der Nähe des Else-Rauch-Platzes bekommen. Was lag also näher, als sich mit Else Rauch zu befassen?

Wer war Else Rauch? Das herauszufinden, war gar nicht so einfach. Klar war, in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts hatten sich Menschen schon einmal mit dem Schicksal dieser Frau befasst und den Platz an der Lutterothstraße nach ihr benannt. Bis auf ein paar Grunddaten war nun aber nicht mehr viel über ihr Leben herauszubekommen. Eine Befragung, die die Schülerinnen und Schüler durchführten, zeigte, dass auch das in den Neunzigerjahren schon Herausgefundene in Vergessenheit zu geraten drohte. Dies zu verhindern, war ein wichtiges Ziel ihres Projektes.

Begleitet durch ihre Lehrerin, Frau Gerlinde Hartmann, haben 23 Schülerinnen und Schüler gegen das Vergessen gearbeitet. Und wie sie das gemacht haben, ist beeindruckend.

In fünf Arbeitsgruppen wurde intensiv recherchiert, dokumentiert und diskutiert.

So hat eine Arbeitsgruppe die Biografie Else Rauchs erforscht und vieles über ihr Leben wieder sichtbar gemacht. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind unter anderem in einem Flyer und einem Wikipedia-Eintrag niedergeschrieben.

Eine weitere Arbeitsgruppe befasste sich mit Arthur Riegel, einem Schüler Else Rauchs. Er erfuhr erst 1991 vom Schicksal seiner von ihm bewunderten Lehrerin und hatte sich daraufhin aufgemacht, eine Biografie zu verfassen. Dank seiner Arbeit, konnte auch das schreckliche Ende Else Rauchs geklärt werden. Die Schülerinnen und Schüler brachten mit einigem Detektivsinn seine Erkundungen wieder ans Licht.

Spätestens jetzt war der Klasse klar, dass „Else Rauch“ ein passender Name für ihre Schule sein könnte. Was man selbst für gut hält, ist das eine, die Entscheider zu überzeugen das andere. Und so entwickelte diese Arbeitsgruppe eine Argumentation für die Namensgebung. Dazu wurden Interviews geführt, Statistiken erstellt, ein Logo kreiert und vieles filmisch festgehalten. Ihr Vorschlag lautet: „Berufliche Schule Eimsbüttel – Else Rauch“. Über die Namensgebung wird im Übrigen im Herbst entschieden – mal sehen, vielleicht klappt es ja.

Die vierte Arbeitsgruppe hatte die Aufgabe übernommen, mit den Schülerinnen und Schülern der anderen Klassen eine Diskussion über ihr Thema zu beginnen, die Ergebnisse vorzustellen und für die Namensgebung zu werben. Hierfür wurden Fragebögen erstellt und verteilt. Schließlich fasste die Gruppe die Ergebnisse zusammen und präsentierte sie der Schülervertretung. Danach sprachen sich 14 von 18 Klassensprechern für die vorgeschlagene Namensgebung aus.

Die fünfte Gruppe kümmerte sich um den Else-Rauch-Platz. Die Geschichte des Platzes wurde recherchiert, die Ergebnisse in einem Flyer zusammengefasst, unter die Leute gebracht und als Wikipedia-Eintrag festgehalten. Ferner machte sich die Gruppe Gedanken, wie man den Platz umgestalten könnte, und entwarf dazu einen Vorschlag für ein kleines Denkmal.

Liebe Gäste, wie Sie hören, haben die Schülerinnen und Schüler der Klasse 12/2 der Beruflichen Schule für Wirtschaft und Steuern eine Menge gegen das Vergessen getan. Und ich kann ihnen versichern, es war nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht.

Und warum das alles so wichtig ist, wurde in einem Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern deutlich. Eine Schülerin sagte: „Natürlich wussten wir auch vorher schon viel über diese Zeit. Aber erst wenn man sich so intensiv mit dem Schicksal eines Menschen auseinandersetzt, kommt zu dem abstrakten Faktenwissen auch ein Gefühl und Verständnis für diese Zeit und eine Vorstellung davon, was damals vielen Menschen angetan wurde.“

Erinnern, wenn andere vergessen!
Das ist diesen Schülerinnen und Schülern gelungen.