Blutdruck (Laudatio)

Absalom-Stiftung der Freimaurer, Bernd-Dieter Hessling:

  • Manchmal ist es nicht ausreichend, die Erinnerung NUR wachzuhalten, um die Wiederholung von Fehlern in der Geschichte zu vermeiden!
  • Manchmal ist es nicht ausreichend, sich im Jahre 2015 NUR daran zu ERINNERN, dass mit dem Inkrafttreten der Nürnberger Rassengesetze vor 80 Jahren mit EINEM Schlag mehr als 1 Mio. Deutsche zu Verfolgten in der EIGENEN Heimat wurden!
  • Manchmal ist es nicht ausreichend, sich im Jahre 2015 NUR daran zu ERINNERN, dass vor 80 Jahren die juristischen Grundlagen zur Umsetzung des nationalsozialistischen Ideals der Rassenhygiene gelegt wurden!

Ihr, liebe Schülerinnen und Schüler der Theatergruppe der Stufe 12 des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Harburg, habt in Eurem Theaterstück „Blutdruck“ weitergehende Fragen aufgeworfen!

Ihr habt Euch z.B. gefragt: In welcher Form, auf welche Art und Weise könnte uns dieser genetische Optimierungsgedanke unter den heutigen Vorzeichen von Forschung und Technik und den heutigen gesellschaftlichen Gegebenheiten begegnen? Wie würde die Gesellschaft möglicherweise diese genetischen Optimierungsverfahren heute aufgreifen? (So habt Ihr in unserem Vorgespräch auch mehrfach auf die Möglichkeiten der Präimplantationsdiagnostik hingewiesen.)

Im Verlauf Eures Projektes „Blutdruck“ habt Ihr Euch AUCH sehr intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie Ihr Euch selbst unter ethischen Aspekten zu diesen Fragen positionieren wollt. Das Ergebnis Eurer Überlegungen habt Ihr dann in einem selbst geschriebenen Theaterstück, das Ihr in vielen arbeitsreichen Schritten zur Aufführung gebracht habt, festgehalten.

Eine Eurer Aussagen, die Ihr mir vorgetragen habt, war:

“There is no gene for the human spirit!“
„Es gibt kein Gen für den menschlichen Geist!“

… und Ihr habt hinzugefügt: „… deshalb können genetische Unterschiede auch kein Grund sein für Ausgrenzung aus der Gesellschaft oder Spaltung der Gesellschaft!“

Und – obwohl Ihr es in Eurem Stück nie explizit ausgesprochen habt – habt Ihr in Eurem Stück noch eine WEITERE Antwort gegeben: So hat mich in einigen Szenen von „Blutdruck“ sehr berührt, dass ausgerechnet eine Figur FÜR die Rechte der IN-VALIDIN eintrat, die weniger philosophisch argumentierte oder ethische Prinzipien bemühte, sondern die letztlich einfach ihr Herz sprechen ließ!

Denn ich bin zutiefst davon überzeugt, dass – NEBEN der Kenntnis der Geschichte und NEBEN all dem Wissen um die humanitären Prinzipien in unserer Gesellschaft – AUCH eine gute Herzensbildung ein wichtiger Garant für das humanitäre Miteinander in unserer Gesellschaft sein kann!

Herzlichen Glückwunsch für die Art und Weise, wie Ihr Euch mit den Thema Gen-Optimierung befasst habt, wie Ihr Euch hierzu eine ethische Position erarbeitet habt und wie Ihr dies dann im selbst geschriebenen und aufgeführten Theaterstück „Blutdruck“ zum Ausdruck gebracht habt!

Wir, die Jury des BERTINI-Preises, sind der Meinung, dass es Euch in BERTINI-Preis-würdiger Form gelungen ist, uns eindrucksvolle Denkstöße zu der Frage zu vermitteln, in welcher Form uns möglicherweise heute – möglicherweise auch erst in der Zukunft – Gedankengut begegnen könnte, das vor 80 Jahren in Deutschland sogar Gesetzesnorm erlangt hat!

Euch allen herzlichen Dank!

Euch allen herzlichen Glückwunsch zum BERTINI-Preis 2014!

Lasst Euch nicht einschüchtern