Widerstand gegen Rechtextremismus (Laudatio)

Freimaurerloge Roland, Bernd Brauer:

„Auf Erinnerung bestehen kann mitunter schon Widerstand sein“ – An dieses Wort von Siegfried Lenz musste ich denken, als ich Euren Dokumentarfilm über den Lehrer Walter Vietzen sah, den Ihr als Euer Projekt zum BERTINI-Preis eingereicht habt.

Im Holocaust hat sich gezeigt, wozu Menschen fähig sind – zumal dann, wenn die politischen Rahmenbedingungen geradezu dazu „einladen”, das Böse in sich auszuleben. Daher gilt zuallererst, wachsam zu sein, damit sich entsprechende Bedingungen nicht mehr ergeben.

Die Kraft für diese Wachsamkeit kann aus der Erinnerung erwachsen – vermittelt über Berichte von Zeitzeugen über Unrecht, Ausgrenzung und Gewalt in unserer unmittelbaren Umgebung.

Denn die Keimzelle eines Denkens, das bis zum Völkermord führen kann, überdauert offenbar alle Zeiten und wird die Menschheit wohl auch weiter begleiten. In vielen Weltgegenden wird immer noch aus einem – auch politisch oder religiös geschürten – Überlegenheitsgefühl heraus gegen Angehörige von Minderheiten gehetzt und gewaltsam vorgegangen.

Erinnerung an das, was geschah, bedeutet also zugleich Widerstand gegen das, was jetzt geschieht. Nicht nur vor langer Zeit. Nein, heute. Nicht nur ganz weit weg. Nein, leider auch bei uns.

Das hat der Lehrer Walter Vietzen in Kellinghusen erfahren müssen.

Ihr, liebe Schülerinnen und Schüler des Ludwig-Meyn-Gymnasiums in Uetersen, habt mit Eurem Film dokumentiert, was Walter Vietzen aushalten musste.

Ihr habt aber auch dokumentiert, dass unsere rechtsstaatlichen Institutionen funktionieren und dem bedrohten Bürger in vorbildlicher Weise zur Seite gestanden haben. Man freut sich zu sehen, dass sowohl der örtliche Polizist als auch der zuständige Amtsrichter die richtigen Männer am richtigen Platz sind.

Euer Film erzählt also nicht nur eine Geschichte. Er zeigt uns, dass Polizei und Justiz wissen, was zu tun ist, und mehr noch: Sie tun es auch. Und natürlich nicht als anonyme Institutionen, sondern als überzeugend handelnde Menschen in ihrem Beruf.

Das ist, Ihr Lieben, das besondere an Eurem Dokumentarfilm:
Er zeigt, wo man Hilfe erwarten und wo man sie bekommen kann, wenn man nach couragiertem Tun in Bedrängnis gerät.

Lehrer, Polizeibeamter und Richter haben gemeinsam ein Beispiel gegeben, wie man mit jenen Kräften umgehen kann, die wir niemals aus den Augen verlieren und nicht unterschätzen dürfen.

Wir erfahren davon dank Euch im Internet unter uetersentv.de

Dafür danken wir Euch und Eurem Lehrer, Herrn Dr. Sönke Zankel. Dafür erhaltet Ihr heute hier den BERTINI-Preis.

„Furcht besiegt mehr Menschen
als irgendetwas anderes auf der Welt.”

sagte der amerikanische Philosoph Ralph Waldo Emerson.

Wir alle wissen, dass Furcht oder Angst das Haupthindernis ist, Courage zu zeigen, wo Courage nötig wird. Möge Euer Film auch helfen, solche Furcht zu mildern und dadurch Zivilcourage zu stärken!

Es ist mir eine Ehre und eine Freude, Euch nun den BERTINI-Preis überreichen zu dürfen.

Lasst Euch nicht einschüchtern