Mit Musik gegen Rassismus und Terrorismus

Let me speak – Songs zum Thema IS und PEGIDA“ – Ein Projekt von 20 Schülerinnen und Schülern der Stadtteilschule Wilhelmsburg
Pate: Karlheinz Goetsch, Demokratisch Handeln

„Let me speak” heißt die CD, die 20 Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschule Wilhelmsburg produziert haben. Im Profil „Musik“ wollten sie mit eigenen Songs Stellung beziehen gegen Vorurteile, religiöse Verblendung und Hass.

Im gemeinsamen Musizieren haben die Schülerinnen und Schüler des Musikprofils der Stadtteilschule Wilhelmsburg schon lange Übung. Das zeigen die ausdruckstarken Videos auf der Internetseite der Schule. Sie entstanden unter Anleitung von Musiklehrer Ben Lobgesang. Doch die Projektwoche zum Thema „IS und Pegida“ war für die 15- bis 18-jährigen Jugendlichen eine besondere Herausforderung. „Wir haben dazu nicht nur eigene Songtexte geschrieben, sondern mit Profis auch eine eigene CD produziert“, berichtet Nesrin Sargin, 15, voller Stolz.

„Es waren gerade Themen wie die Pegida-Demonstrationen und der Islamische Staat aktuell, die die Schülerinnen und Schüler in einer Projektwoche besprechen und künstlerisch verarbeiten wollten“, sagt Musiklehrer Ben Lobgesang. „Unser Interesse an diesen Themen ist groß – und Musik unsere Leidenschaft“, erzählt Marwa Nasiri, 16. Und zum ersten Mal eigene Texte über Themen von heute zu schreiben, spornte die Jugendlichen zusätzlich an. Aus einer Projektwoche wurden drei. Unterstützt wurden die Schülerinnen und Schüler von dem Profimusiker Fayzen und ihre CD entstand in einem professionellen Tonstudio in Altona. Finanziell wurde das Projekt von der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt.

Doch bevor es ans Texten ging, mussten die Schülerinnen und Schüler erst einmal recherchieren. Sie lasen Zeitungsartikel über die Aufmärsche der Pegida-Demonstranten und ihre rechtspopulistischen Gedanken. Sie sahen Theaterstücke und Filme über die Folgen der extremistischen Ideologie von Salafisten. „In einer Dokumentation wurde gezeigt, wie ein Junge sich dem IS anschloss, weil er der Lüge von einer scheinbar besseren Welt verfiel“, beschreibt Nesrin ihre Eindrücke. Die Jugendlichen notierten ihre Gedanken über Terror und Hass in der Welt. Sie schrieben auch ihre teils persönlichen Erfahrungen mit Vorurteilen auf, die Menschen mit anderen Religionen oder anderer Hautfarbe entgegengebracht werden. Schließlich teilten sie sich in sechs Gruppen auf und jede Gruppe erarbeitete einen Song.

In der Botschaft, die die Lieder enthalten sollten, waren sich die Schülerinnen und Schüler einig. Sie wollten eine Botschaft gegen Gewalt vermitteln. „Wir wollten klarmachen, wie wichtig Toleranz und Frieden sind“, so Marwa. Die Schülerinnen und Schüler sehen sich dabei selber als bestes Beispiel. „Wir schaffen das ja auch in unserer Schule“, sagt Oguzhan Akgün, 15, wie selbstverständlich. „Auf unsere Schule gehen Christen und Moslems. Unsere Eltern kommen aus der Türkei, aus Afghanistan, aus Ghana, von den Philippinen, aus Albanien oder Serbien“, ergänzt Marwa. „Es ist doch egal, woher man kommt, Hauptsache wir verstehen uns“, findet Madiena Noori, 16. Mit dieser Überzeugung und Einstellung gingen sie an ihre Textinhalte heran. Hilfestellung bekamen sie nicht nur von ihrem Musiklehrer und der Sängerin Emily Rothschild. An zwei Terminen erhielten die Schülerinnen und Schüler Tipps von dem Hamburger Songwriter und Sänger Fayzen. „Er hat uns motiviert und uns zum Beispiel gesagt, wie man einen Text besser singen kann und welche Texte besser zum Refrain passen“, berichtet Nesrin.

Damit die Texte auch richtig ankommen, gehört eine eingängige Komposition dazu. „Wir haben unsere Texte zuerst mit Klavier und Gitarre gespielt, um auszuprobieren, welche Stimmlage am besten ist“, erklärt Wendy Otto, 16. Zusammen mit Marwa hat sie an dem Titelsong der CD „Let me speak“ gearbeitet, zu dem es inzwischen ein Musikvideo gibt. Sie und Marwa singen zunächst die ersten Zeilen, bevor nach und nach auch weitere Stimmen einsetzen, um dann mit geballter Energie den Refrain zu singen: „Stop the terror, stop the hate. Join me now, before it’s too late.” – Worte, die sich gegen Terror und Hass und für das Zusammenstehen aussprechen, bevor es zu spät ist.

Zwei Lieder der CD sind in englischer Sprache, die anderen vier auf Deutsch verfasst. So auch das Lied „Alle gleich“. Hier geht es darum, nicht auf die Lügen der Dschihadisten hereinzufallen. Die Musikrichtungen der Songs bewegen sich zwischen Pop und Rap. „Wir wollten möglichst viele Leute ansprechen“, erläutert Oguzhan ihren Ansatz. Alle Instrumente werden von Schülerinnen und Schülern gespielt.

Nach der Fertigstellung ihrer CD gingen die Jugendlichen auf eine Mini-Tournee. Sie präsentierten ihre Lieder im Bürgerhaus Wilhelmsburg, beim Sommerkonzert in der Stadtteilschule Wilhelmsburg und auf einer Veranstaltung des Wilhelm-Gymnasiums in Harvestehude. Die Reaktion von Eltern, Freunden und anderen Konzertbesuchern sei sehr positiv gewesen, berichten die jugendlichen Musiker. „Meine Mutter hat die Botschaft gleich verstanden“, sagt Nesrin und ergänzt: „Wir haben uns voll in das Thema reingehängt und etwas zustande gebracht, worauf wir stolz sind.“

» Laudatio

» Beitrag des NDR

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