Willkommen heißen: Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Bondenwald beim gemeinsamen wöchentlichen Sport mit Flüchtlingen

Gemeinsam gegen Ausgrenzung

„Sport mit Flüchtlingen“ – Ein Projekt von 20 Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Bondenwald
Pate: Hubert Grimm, Freimaurerloge Roland

Als in Niendorf eine „Zentrale Erstaufnahme“ für Flüchtlinge eingerichtet wurde, wollten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Bondenwald etwas für die dort eintreffenden Menschen tun. Sie organisierten ein wöchentliches Sportangebot, um die Flüchtlinge willkommen zu heißen und erste Kontakte zu knüpfen.

Einmal in der Woche stehen Franziska Lohrengel, 17, Melanie Riebel, 16, Lena Ahmad, 16, und Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Bondenwald vor den Wohncontainern der „Zentralen Erstaufnahme (ZEA)“ in Niendorf. Geduldig warten sie, bis sich eine kleine Gruppe von Bewohnern der ZEA um sie geschart hat. Es sind Flüchtlinge, die in der Erstunterbringung in Niendorf auf engem Raum leben. „Jeden Donnerstagmittag holen wir eine Gruppe von Flüchtlingen ab, um mit ihnen gemeinsam Sport an unserer Schule zu machen“, berichtet Franziska, die von allen Franzi gerufen wird. Das Projekt haben die Schülerinnen und Schüler vor rund einem Jahr ins Leben gerufen.

Ursprünglich war es als Angebot für Kinder und Jugendliche gedacht, inzwischen kommen auch junge Erwachsene mit, wenn sich die Schülerinnen und Schüler zum Abholen vor der Unterkunft versammeln. An diesem Tag sind es rund 20 Personen, die sich mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam auf den etwa 30-minütigen Fußweg zur Sporthalle des Gymnasiums Bondenwald machen. Die Halle ist anderthalb Stunden für die Aktion reserviert. Es wird Ball gespielt, wenn jüngere Kinder dabei sind, auch verschiedene andere Spiele. „Wir richten uns mit unserem Programm immer danach, wer da ist. Meistens spielen wir Fußball, da muss man nicht viel erklären, das versteht jeder‘“, so Anna Pittelkow, 16. Heute hat sich eine Gruppe von Bondenwald-Schülern und jungen Männern für Basketball entschieden, in der anderen Hälfte der Halle spielt eine weitere Gruppe von Jugendlichen des Gymnasiums und aus der ZEA Fußball. Jeder trägt ein Klebeschild mit seinem Namen, die Stimmung ist sportlich und fröhlich.

„Die Flüchtlinge haben ja nicht viele Möglichkeiten, etwas zu tun“, erklärt Senada Esati, 17. Sie leben meist bis zu drei Monaten in der Unterkunft, warten darauf, dass ihre Asylanträge bearbeitet werden, lernen etwas Deutsch und nehmen eventuell an Angeboten teil, die ehrenamtliche Helfer von der Initiative „Wir in Niendorf“ betreuen. Mit der Initiative sind die Schülerinnen und Schüler bestens vertraut. Als vor einem Jahr klar war, dass in Niendorf eine ZEA eingerichtet werden soll, gründete sich die Initiative. Einige der Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium Bondenwald besuchten die Info-Veranstaltung, denn auch sie wollten helfen. „Wir wollten die Flüchtlinge bei uns willkommen heißen und überlegten uns als gemeinsame Aktivität das Sportangebot“, erzählt Lena. „Sport ist gut, um Kontakt aufzubauen“, ergänzt Max Mayer, 17. Da sei es egal, woher man komme, man habe ein gemeinsames Ziel, das verbinde. Das Sportangebot wurde zum festen Bestandteil der Schulinitiative „Soziales Projekt“, in dem sich Schülerinnen und Schüler freiwillig engagieren.

Bis sie ihren Plan umsetzen konnten, mussten die Schülerinnen und Schüler einige Hindernisse überwinden. „Wir mussten einen Termin finden, an dem die Halle frei ist, das war gar nicht einfach“, erinnert sich Anna. Auch der Zutritt zur ZEA musste geregelt werden, was mit einigem behördlichen Aufwand verbunden war. Eine ausreichende Zahl von Schülerinnen und Schülern zum Mitmachen zu gewinnen, war dagegen weniger schwer. „Zu Beginn waren wir acht, jetzt sind wir ein fester Stamm von rund 20 Mitschülern“, berichtet Melanie. „Wir organisieren alles selber, vom Abholen der Flüchtlinge bis zur Betreuung, und das auch während der Ferienzeit“, erklärt Franzi.

„Es macht einfach viel Spaß, andere Leute zu treffen und gemeinsam zu spielen“, beschreibt Luca Gehbauer, 16, seine Motivation. Die Flüchtlinge stammen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan, Albanien oder Kosovo. Die Verständigung verläuft unterschiedlich. „Manche, vor allem Kinder, können schon etwas Deutsch oder wir versuchen es mit Englisch“, so Senada, die Albanisch spricht und deshalb häufig bei Übersetzungen hilft. Als Übersetzerin ist auch Klassenkameradin Lena gefragt, sie spricht Arabisch. Manchmal wird mit Händen und Füßen kommuniziert. Probleme gebe es nicht. Die Mädchen, die etwa in der Basketballmannschaft mitspielen, würden von den männlichen Flüchtlingen akzeptiert, sagt Anna.

Die Aktion der Schülerinnen und Schüler trägt zur Willkommenskultur im Stadtteil bei. „Wenn man sich mal zufällig in Niendorf trifft, dann grüßt man sich und fragt: ‘Hey, was geht?’, sagt Max. Und Franzi findet: „Es ist cool, dass sich so viele aus Niendorf engagieren und wir ein Teil davon sind.“

Laudatio von Hubert Grimm