Projekttag zum kritischen Umgang mit Medien im Kurt-Körber-Gymnasium

Wie weit dürfen Medien gehen?

Am 8.Juli 2016 veranstalteten Schülerinnen und Schüler des Medienprofils im Kurt-Körber-Gymnasium einen Projekttag zum kritischen Umgang mit Medien. Im Rahmen der Bertini-Preis-Initiative „Mut im Netz“ luden sie 90 Schülerinnen und Schüler zu Workshops mit viel Input und Expertenwissen ein und arbeiteten gemeinsam an Ergebnissen.

Sie diskutierten über fragwürdige Mutproben, die im Internet kursieren, überlegten, wie Kinder in Chatrooms vor gefährlichen Kontakten geschützt werden können oder ob TV-Reality-Shows mit Ekel-Charakter alles senden dürfen. Rund 90 Schülerinnen und Schüler des Kurt-Körber-Gymnasiums beteiligten sich an dem Bertini-Projekttag mit dem Thema „Wie weit dürfen Medien gehen?“ Den Tag hatten 15 Oberstufenschüler des Profils „Mediengesellschaft“ im Rahmen der Bertini-Initiative „Mut im Netz“ konzipiert.

Die Experten Andrea Rodiek (2.v.l.) und Sami David Rauscher (3.v.l) und Schüler des Profils Mediengesellschaft haben sich auf der Bühne versammelt, um ihre Workhsops vorzustellen

Zum Start des Projekttages versammelten sich alle Teilnehmer zunächst in der Aula. Dort traten die Schülerinnen des Medienprofils Finja und Melanie auf die Bühne, begrüßten ihre Mitschüler aus der zehnten und elften Jahrgangsstufe und stellten ihnen den Tagesablauf vor. Dann übergaben sie das Mikrofon an Yvonne Vockerodt von der Initiative „Mut im Netz“. Die Initiative war vor zwei Jahren entstanden, als eine Ergänzung zum Bertini-Preis. Der Preis zeichnet Jugendliche aus, die mit engagierten Projekten und Zivilcourage Ausgrenzung und Unrecht in der Gesellschaft entgegengetreten sind. Weil es aber auch im Internet zu Beleidigungen, Belästigungen, Hetz- und Gewaltparolen kommt, müsse man sich auch hier einmischen und couragiert auftreten, sagte Yvonne Vockerodt. Welche Gefahren in der Medienwelt lauern und wie man etwas verändern kann, sollten die Schüler am Projekttag  kennenlernen und ausprobieren.

Dazu hatten die Schüler des Medienprofils, die von Yvonne Vockerodt in der Vorbereitung und Gestaltung des Tages unterstützt wurden, sechs Workshops ausgearbeitet. Zu den Themen „Internet-Trends“, „Ekel-TV“, „Chatroom“ und „Juristische Grundlagen“ hatten sie Aspekte zusammengetragen, über die sie ihre Mitschüler informieren und mit ihnen diskutieren wollten. Zu den Workshop-Themen „Sucht“  und „Propaganda/Hassnachrichten“ hatten sie sich noch zusätzlich Experten von außen geholt. Nach dem die Profilschüler die Workshop-Themen und die beiden Experten Andrea Rodiek vom „SuchtPräventionszentrum“ des Landesinstitutes für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) und Sami David Rauscher von der Kampagne „No Hate Speech Movement Deutschland“ in der Aula ihre Arbeit kurz vorgestellt hatten, begann die Workshop-Phase. Die Schüler versammelten sich in verschiedenen Räumen zu den Workshops, für die sie sich zuvor angemeldet hatten. Es folgte eine Stunde intensive Arbeit.

Aufmerksam folgen die Schüler im Workshop Sucht den Inforamtionen von Expertin Andrea Rodiek

Im Workshop „Sucht“, der von den Medienprofilschülerinnen Ekatarina und Annalaura moderiert wurde, begann Expertin Andrea Rodiek vom SuchtPräventionszentrum“ (SPZ) des LI mit den Teilnehmern zunächst einmal das eigene Verhalten im Umgang mit Medien auszuloten. Sie überlegten gemeinsam: „Wie oft, wie lang nutze ich Facebook, Smartphone oder Playstation am Tag?“ Die Antworten führten zu weiteren Aspekten, etwa der Frage: „Welche Stellenwert hat das Medium bei mir“. Im weiteren Verlauf sprach die Gruppe darüber, bei welchen Kriterien eine Sucht vorliegt und was man tun kann, um sich zu schützen. Oder auch, wie man sich oder anderen helfen kann, wenn sich erste Anzeichen einer Sucht zeigen.

Um teils skurrile Mutproben, sogenannte Internet-Challenges, ging es im Workshop „Internet Trends“, der von Finja, Amanda und Endri geleitet wurde. Viele dieser auf Youtube oder Instagram als vermeintlich spaßig anzusehenden Herausforderungen seien tatsächlich lebensgefährlich. Wie etwa die „Cinnamon Challenge“, die daraus besteht einen Löffel Zimt zu schlucken. Hierbei drohe Erstickungsgefahr, ebenso wie bei der „Condom Challenge“, bei der ein mit Wasser gefülltes Kondom auf den Kopf eines anderen fallen gelassen wird. Mit geplatzten Lippen kann die „Kylie-Jenner-Challenge“ enden, bei der die Lippen durch das Saugen an einem Glas aufgewölbt werden sollen. Andere Challenges etwa für superschlanke Körper fördern Essstörungen und Magersucht. Lebhaft diskutierten die Schüler darüber, wie weit sie selber gehen würden und warum Menschen so etwas machen. Und sie überlegten, wie man gefährliche Challenges verhindern könne.

Im Workshop „Juristische Grundlagen“ beschäftigen sich die Schüler mit den Straftatbeständen der Beleidigung, üblen Nachrede oder Bedrohung

Lebhaft verliefen die Diskussionen auch in den anderen Workshops. Etwa bei den „Juristischen Grundlagen“, wo Sura, Brahmpreet und Tamana ihren Mitschülern anhand von Gesetzestexten vorstellten, was eine Beleidigung oder Bedrohung ist. Mit diesem Wissen nahm die Gruppe dann eine nicht sehr freundliche Chat-Unterhaltung genauer unter die Lupe. Und die Schüler diskutierten auch über aktuelle Fälle, wie das Schmähgedicht von Jan Böhmermann über den türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Ist es noch eine Satire oder erfüllt es schon den Straftatbestand der Beleidigung? Die Meinungen dazu fielen sehr unterschiedlich aus.

Im Workshop „Propaganda und Hassnachrichten“ stellte New Media Spezialist Sami David Rauscher aus Berlin, das Projekt „No Hate Speech Movement Deutschland“ vor, eine  Kampagne des Europarates gegen Hasskommentare. Auf der Internet-Seite „no-hate-speech.de“ wird unter anderem darüber informiert mit welchem Mitteln Rechtsextremisten  arbeiten, wie sie Hetze und Hasspropaganda im Netz verbreiten, woran man die manchmal subtilen Seiten erkennt und was man dagegen tun kann.

Nach zwei Durchläufen aller sechs Seminare hatte jeder Schüler zwei Workshops mitgemacht. Nun kamen alle wieder in der Aula zusammen und wurden über den weiteren Ablauf informiert. Denn es folgte der praktische Teil des Tages, bei dem die Schüler selber kreativ werden durften. In Gestaltungsgruppen mit den Titeln: Theater, Grafik, Werbespot, Interview und Filmszenen sollten sie eigene Erfahrungen und Ergebnisse vom Vormittag als Botschaften medial aufbereiten.

Theatergruppe stellt eine Karikaturszene nach

Auch hier übernahmen die Medienprofilschüler wieder die Leitung. Sie besprachen in den einzelnen Gruppen, welche Themen die Schüler am meisten interessiert hatten, worüber sie andere informieren wollten, welche Botschaft sie verbreiten wollten. Dabei gelang es den jungen Gruppenleitern immer wieder, ihre Mitschüler bei der Sache zu halten, sich durchzusetzen, auch wenn es mal lauter wurde. Und so kam es auch in den Gestaltungsworkshops nach einer Stunde zu vielfältigen Ergebnissen. In der Theatergruppe wurde beispielsweise ein Standbild nach einer Karikatur zu Vorurteilen nachgestellt oder in der Werbespot-Gruppe Szenen überlegt, die vor Gefahren im Chatroom warnen. Auch in den anderen Gruppen waren die Schüler lebhaft beteiligt. Es wurden Stühle und Tische für Filmszenen gerückt und Inhalte besprochen. Ruhiger aber nicht weniger eifrig, ging es in der Grafikgruppe zu. Dort gestalteten die Schülerinnen und Schüler eigene Plakate zu Themen wie Mut im Netz, Cybermobbing oder Ekel-TV.

Nach dem Ende der praktischen Workshops folgte die Abschlussveranstaltung in der Aula. Einige Ergebnisse der Gruppenarbeit, wie etwa die Bilder der Grafikgruppe wurden über den Beamer gezeigt. Alle Produkte sollen demnächst auch im Internet-Blog (Adresse siehe unten) zu sehen sein, erklärten die beiden Moderatorinnen Finja und Melanie.

Dann baten sie die Schülerinnen und Schüler um ein Feedback zum Projekttag. Neben Anmerkungen wie „die Pausen waren zu kurz“, gab es auch positive Äußerungen. „Ich finde, ihr habt den Tag gut gestaltet, ihr habt uns viel auf hohem Niveau vermittelt“, so ein Schüler.

Abschluss in der Aula: Zum Abschluss bedankt sich Schulleiter Christian Lenz bei allen Beteiligten für den gelungen Projekttag

Schulleiter Christian Lenz, der nun auf der Bühne das Wort ergriff, lobte das Engagement des Medienprofils. „Ich freue mich, dass ihr den Tag mit Ernsthaftigkeit, Engagement und Kreativität gestaltet und moderiert habt“, sagte er. Und er dankte auch allen Schülerinnen und Schülern, die sich auf die Themen des Tages eingelassen hatten. Sie hätten sich Gedanken über den Umgang mit dem Internet gemacht und sich mit Themen auseinandergesetzt, „die euch ganz persönlich angehen, wie das Thema Sucht und Ekel-TV“, sagte der Schulleiter anerkennend. Dieser Tag mache deutlich, „dass wir alle gefordert sind, auch Schule und Eltern, mit Internetinhalten sensibel umzugehen und Verantwortung zu übernehmen“, fuhr er fort. Die Schule wolle die Schüler in ihrer Medienkompetenz stärken und auch die Schüler können sich gegenseitig informieren und motivieren, wie der Projekttag gezeigt habe, so das positive Fazit des Schulleiters.

Bilder des Tages

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