18. BERTINI-Preis-Verleihung

64 Jugendliche wurden ausgezeichnet

Schulsenator Ties Rabe, Isabella Vèrtes-Schütter, Intendantin und Mitglied des
BERTINI-Preis  e. V., und der Schauspieler Patrick Abozen ehrten die BERTINI-Preis-Träger 2015 im Ernst Deutsch Theater.

preisverleihung-2015

Sie standen am 27. Januar 2016 im Mittelpunkt: 64 Schülerinnen und Schüler, die für ihr Engagement gegen Rassismus, für hartnäckiges Recherchieren, für unbequeme Erinnerungsarbeit, für ihr Eintreten gegen Ausgrenzung und für ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Überlebende des Holocaust“ mit dem BERTINI-Preis 2015 ausgezeichnet wurden.

Die vier jungen Musiker der Band „Funky Fish“ Johannes Pflock (Trompete), Paul Linardatos (Gitarre), Sandro Saez-Eggers (Bass) und Tom Postel (Schlagzeug) aus der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg eröffneten mit der Komposition „A Night in Tunesia“ des Jazz-Musikers Dizzy Gillespie die 18. Verleihung des BERTINI-Preises, bevor Intendantin und Mitglied des BERTINI-Preis e.V. Isabella Vertes-Schutter die über 600 Gäste in „ihrem Haus“, dem Ernst Deutsch Theater, begrüßte.

ISABELLA VÈRTES-SCHÜTTER HIESS DIE 600 GÄSTE IM ERNST DEUTSCH THEATER ZUR 18. VERLEIHUNG DES BERTINI-PREISES WILLKOMMEN

ISABELLA VÈRTES-SCHÜTTER

In ihrer Ansprache erinnerte sie an Ralph Giordanos Worte: „Wer die Demokratie angreift, kriegt es mit mir zu tun, der hat mich am Hals!“, die zugleich als Aufforderung an die junge Generation zu verstehen seien. Auch Schulsenator Ties Rabe nahm auf den am 10. Dezember 2014 verstorbenen Journalisten, Publizisten und Schriftsteller Bezug: „Das habe ich an ihm bewundert: Er hatte den Mut, sich in den Augen anderer ‚unmöglich‘ zu benehmen, wenn es seiner Überzeugung galt. Mut, sich gegebenenfalls zu blamieren.

SCHULSENATOR TIES RABE (MITTE) BETONTE IN SEINEM GRUSSWORT DAS ENGAGEMENT HAMBURGER SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER FÜR EIN FRIEDLICHES MITEINANDER

SCHULSENATOR TIES RABE

Und er forderte dazu auf, selbst dann seine Meinung zu sagen, wenn man glaubte, im Sinn der vielen ‚anderen‘ völlig falsch zu liegen.“ Mutiges Handeln, wenn es darauf ankomme, das zeichne auch die BERTINI Preisträgerinnen und Preisträger aus: „Sie werden aktiv, wenn ihnen Gewalt, Unrecht und Ausgrenzung begegnen. Sie kommen zu Hilfe, sie schützen. Sie schauen nicht weg.“

 

SCHAUSPIELER PATRICK ABOZEN FORDERTE IN SEINER FESTREDE EINE HALTUNG DES HINSEHENS

SCHAUSPIELER PATRICK
ABOZEN

Schauspieler Patrick Abozen, unter dessen Regie Schülerinnen und Schüler der Höheren Handelsschule an der Beruflichen Schule Bramfelder See (H20) für ihr Theaterstück „Die war nicht so!“ mit dem BERTINI-Preis 2012 ausgezeichnet worden waren, knüpfte hieran an und forderte dazu auf, das Böse zu entlarven und zu handeln, alles andere sei unmenschlich. In diesem Sinne hatten die BERTINI-Preisträgerinnen und –Preisträger menschlich gehandelt, sie hatten Unrecht aufgedeckt, sich gegen Rassismus oder Ausgrenzung erhoben.

Die NDR-Mitarbeiter Christian Becker und Christian Mangels hatten die Preisträgerinnen und Preisträger zuvor an ihren Wirkungsstätten besucht und mit Mikrofon und Fernsehkamera filmisch aufbereitet, wofür die Jugendlichen ausgezeichnet worden sind. Mit den zweiminutigen Einspielfilmen wurden die Preisträgergruppen vorgestellt, bevor die Laudatoren in ihren Redebeiträgen ausführten, womit die Jugendlichen die Jury überzeugt haben: Gabriele Kroch (Howard und Gabriele Kroch-Stiftung) beschrieb die aufwändige Recherchearbeit, mit der die fünf Schülerinnen aus der gemeinsamen Oberstufe des Gymnasiums und der Stadtteilschule Finkenwerder das Verbrechen an dem kleinen Jungen Hermann Quast aus Finkenwerder rekonstruiert haben. Ein Stolperstein, dessen Verlegung die Schülerinnen initiierten, erinnert heute die Einwohner Finkenwerders daran, dass die Verbrechen der Nazis auch vor ihrer Haustür stattgefunden haben. Laudator Hubert Grimm (Freimaurerloge Roland) lobte das Engagement der Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Bondenwald, die mit ihrem Projekt „Sport für Flüchtlinge“ ein beispielgebendes Zeichen für eine aktive Willkommenskultur im Stadtteil gesetzt hatten.
„Ihr habt Hindernisse aus dem Weg geräumt, habt die Hand gereicht und etwas – nur scheinbar! – Einfaches, aber sehr Wirkungsvolles gemacht: Sport!“ Hans-Juergen Fink (Hamburger Abendblatt) betonte die Hartnäckigkeit, mit der die Schüler des Ludwig-Meyn-Gymnasiums ihrer eigentlich einfachen Frage nachgehen mussten: „Ist Adolf Hitler noch Ehrenbürger von Uetersen?“ Ihre Suche nach einer Antwort klingt wie eine Posse, die aber schließlich dazu führte, dass der Stadtrat in seiner Sitzung am 15. Dezember 2015 die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers offiziell bestätigte. Laudator Karlheinz Goetsch (Demokratisch handeln) zitierte nachdenkliche Verse aus den Songs, die die Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschule Wilhelmsburg gegen Rassismus und für ein friedliches Miteinander verfasst haben. Und Axel Zwingenberger betonte in seiner Laudatio, es sei den Oberstufenschülerinnen und -schülern der Gelehrtenschule des Johanneums mit ihrer szenischen Lesung wider das Vergessen gelungen, „Erinnerung fühlbar zu machen“.

In den kurzen Interviews, die Moderator Jan Frenzel (NDR Hamburg Journal) mit den Preisträgerinnen und Preisträgern auf der Bühne des Ernst Deutsch Theaters führte, kamen die Jugendlichen auch selbst zu Wort. So berichteten die Schülerinnen aus Finkenwerder, wie viel Zuspruch sie nach anfänglicher Zurückhaltung in ihrem Stadtteil für ihre Erinnerungsarbeit erhielten. Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Bondenwald machten deutlich, dass sie mit ihrem Beitrag anstiften mochten, dass weitere Schülergruppen ähnliche Projekte für Begegnungen mit jungen Flüchtlingen in den Hamburger Unterkünften initiierten, und baten den Schulsenator um Unterstützung, eine zweite Sporthalle mitnutzen zu können. Die Schülerinnen und Schüler des Johanneums berichteten von der besonderen Herausforderung, sich in das Schicksal eines anderen Menschen in einer Extremsituation hineinzuversetzen und dies szenisch für Zuschauer nacherlebbar werden zu lassen. Und Schülerinnen und Schuler der Stadtteilschule Wilhelmsburg erzählten von der Produktion ihrer Songs, mit denen sie für ein friedliches Miteinander werben, das sie an ihrer Schule tagtäglich (vor-)lebten.

Das könnte dich auch interessieren...