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Projekttag zum kritischen Umgang mit Medien im Kurt-Körber-Gymnasium

Wie weit dürfen Medien gehen?

Am 8.Juli 2016 veranstalteten Schülerinnen und Schüler des Medienprofils im Kurt-Körber-Gymnasium einen Projekttag zum kritischen Umgang mit Medien. Im Rahmen der Bertini-Preis-Initiative „Mut im Netz“ luden sie 90 Schülerinnen und Schüler zu Workshops mit viel Input und Expertenwissen ein und arbeiteten gemeinsam an Ergebnissen.

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Der erste Stolperstein für Finkenwerder

„Leben mit Behinderung“ – Ein Projekt von fünf Schülerinnen der gemeinsamen Oberstufe der Stadtteilschule Finkenwerder und des Gymnasiums Finkenwerder
Pate: Gabriele Kroch, Howard und Gabriele Kroch-Stiftung

Fünf Schülerinnen der gemeinsamen Oberstufe des Gymnasiums Finkenwerder und der Stadtteilschule Finkenwerder folgten den Spuren des Kindes Hermann Quast, das in einer NS-Tötungsanstalt starb. Sie verfassten eine Dokumentation und machten das Verbrechen mit dem Verlegen eines Gedenksteins öffentlich.

HERMANN QUAST STAMMTE AUS FINKENWERDER. ER WURDE DORT 1936 ALS DRITTES VON VIER KINDERN EINER ARBEITERFAMILIE GEBOREN. Geistig und körperlich entwickelte er sich nicht so wie gleichaltrige Kinder. Nach einer psychiatrischen Untersuchung wurde er 1940 in die damaligen Alsterdorfer Anstalten für Behinderte eingewiesen. 1943 verlegte man ihn mit anderen Patienten in die sogenannte Heilanstalt Eichberg am Rhein. Sie war eine Tötungsanstalt der Nationalsozialisten. Dort starb Hermann mutmaßlich an einer Giftspritze. Er wurde sieben Jahre alt.

Während einer Projektwoche zum Thema „Leben mit Behinderung“ erfuhr eine Schülergruppe aus der Mittelstufe des Gymnasiums Finkenwerder von dem Schicksal des Kindes. Die Jugendlichen waren bestürzt über den Mord an dem unschuldigen Jungen. Am Ende der Projektwoche präsentierten sie in der Schule ihre Ergebnisse und sammelten Geld für die Verlegung eines Stolpersteins. Mitschülerinnen und Mitschüler wurden gesucht, die bereit waren, dieses Vorhaben umzusetzen. Daraufhin meldeten sich fünf Oberstufenschülerinnen des Gymnasiums und der Stadtteilschule Finkenwerder für das Projekt „Stolperstein für Hermann Quast“.

„Wir wollten öffentlich machen, dass es auch in Finkenwerder Menschen gab, die von den Nazis verfolgt wurden“, erklärt Wilma Luth, 18, ihre Motivation. Viele wussten beispielsweise nicht, dass es hier ein Außenlager des KZ Neuengamme mit Zwangsarbeitern für die Deutsche Werft gegeben hat. Und bis 2015 gab es auf der Halbinsel keinen einzigen Stolperstein. „Es ist aber wichtig, die Erinnerung an die Verbrechen der NS-Zeit weiterzutragen, auch für die junge Generation“, sagt Julia Klindworth, 19, die bereits ein Praktikum in der Gedenkstätte KZ Neuengamme absolviert hat.

Die Jugendlichen begannen mit intensiven Recherchen zum Schicksal des Jungen, zu den Zuständen in den damaligen Alsterdorfer Anstalten und den historischen Hintergründen. Sie konnten die Patientenakte von Hermann Quast im Archiv der heutigen Stiftung Alsterdorf einsehen. Unterstützt wurden sie von der „Initiative Gedenken in Harburg“ und von der Mathematiklehrerin Hannelore Fielitz, die bereits die erste Projektgruppe unterstützt hatte.

„Die Patientenakte von Hermann Quast konnte uns leider nicht alle Fragen beantworten“, berichtet Wilma. Medizinische Gutachten sprachen von einer „mongoloiden Idiotie“ des Kindes. „Wir vermuten, dass der Junge das Down-Syndrom hatte“, so Lefke Sandrock, 17. Gern hätten die Schülerinnen erfahren, wie es dem Kind in Alsterdorf ergangen war und ob es Kontakt zu seiner Familie hatte. Doch dazu gab es keine Quellen. Rückschlüsse konnten sie nur aus allgemeinen Fakten ziehen.

„Bei unserem Besuch der heutigen Stiftung Alsterdorf erfuhren wir, dass die fürsorglichen Bestrebungen des Gründers Pastor Sengelmann in der NS-Zeit komplett umgekrempelt wurden“, sagt Nele Barghausen, 18. Pastor Karl-Friedrich Lensch und Oberarzt Gerhard Kreyenberg folgten der Nazi-Ideologie, die Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen als minderwertig einstufte. Im Zuge der sogenannten Rassenhygiene erstellte der Arzt Gutachten für Zwangssterilisationen, um die angeblich vererbbare Krankheit „Schwachsinn“ einzudämmen. „Er hatte auch Röntgen-Experimente an Patienten vorgenommen“, ergänzt Rumeysa Yigit, 18. Und er und Lensch befolgten die geheime Tötungsaktion T4, die Hitler 1939 einleitete. Damit begann die systematische Ermordung von Menschen mit verschiedenen Erkrankungen und Behinderungen.

Auch Hermann Quast wurde nach seiner Verlegung nach Eichberg Opfer dieses Massenmordes. „In seiner Sterbeurkunde stand, dass er an Herzschwäche und Geisteskrankheit gestorben sei“, berichtet Nele. Doch glaubwürdig sei das nicht. Denn ab 1941 gab es in Eichberg eine „Kinderfachabteilung“, in der die Patienten mit Schlaf- und Betäubungsmitteln getötet wurden.

Die Schülerinnen verarbeiteten ihre Recherche- Ergebnisse in einer Dokumentation. Und sie organisierten mit dem Künstler Gunter Demnig einen Termin zur Stolperstein-Verlegung vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Quast in der Benittstraße 26. Mit Pressemitteilungen, einer großen Veranstaltung anlässlich der Verlegung des Gedenksteins und der Präsenz bei der Finkenwerder Kulturveranstaltung „Deichpartie“ sorgten die Jugendlichen für Öffentlichkeit. Die Rückmeldungen zum ersten Stolperstein in Finkenwerder waren zahlreich und positiv. Das überraschte die Schülerinnen. „Wir hatten lange das Gefühl, die Finkenwerder wollten ihre Vergangenheit ruhen lassen. Aber das stimmt nicht. Es brauchte nur einen Anstoß. Viele Menschen kamen und zeigten großes Interesse. Das hat uns sehr berührt“, sagt Wilma. Und es hat die Schülerinnen darin bestärkt, sich auch weiterhin gegen das Vergessen zu engagieren.

» Laudatio von Gabriele Kroch

Gemeinsam gegen Ausgrenzung

„Sport mit Flüchtlingen“ – Ein Projekt von 20 Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Bondenwald
Pate: Hubert Grimm, Freimaurerloge Roland

Als in Niendorf eine „Zentrale Erstaufnahme“ für Flüchtlinge eingerichtet wurde, wollten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Bondenwald etwas für die dort eintreffenden Menschen tun. Sie organisierten ein wöchentliches Sportangebot, um die Flüchtlinge willkommen zu heißen und erste Kontakte zu knüpfen.

Einmal in der Woche stehen Franziska Lohrengel, 17, Melanie Riebel, 16, Lena Ahmad, 16, und Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Bondenwald vor den Wohncontainern der „Zentralen Erstaufnahme (ZEA)“ in Niendorf. Geduldig warten sie, bis sich eine kleine Gruppe von Bewohnern der ZEA um sie geschart hat. Es sind Flüchtlinge, die in der Erstunterbringung in Niendorf auf engem Raum leben. „Jeden Donnerstagmittag holen wir eine Gruppe von Flüchtlingen ab, um mit ihnen gemeinsam Sport an unserer Schule zu machen“, berichtet Franziska, die von allen Franzi gerufen wird. Das Projekt haben die Schülerinnen und Schüler vor rund einem Jahr ins Leben gerufen.

Ursprünglich war es als Angebot für Kinder und Jugendliche gedacht, inzwischen kommen auch junge Erwachsene mit, wenn sich die Schülerinnen und Schüler zum Abholen vor der Unterkunft versammeln. An diesem Tag sind es rund 20 Personen, die sich mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam auf den etwa 30-minütigen Fußweg zur Sporthalle des Gymnasiums Bondenwald machen. Die Halle ist anderthalb Stunden für die Aktion reserviert. Es wird Ball gespielt, wenn jüngere Kinder dabei sind, auch verschiedene andere Spiele. „Wir richten uns mit unserem Programm immer danach, wer da ist. Meistens spielen wir Fußball, da muss man nicht viel erklären, das versteht jeder‘“, so Anna Pittelkow, 16. Heute hat sich eine Gruppe von Bondenwald-Schülern und jungen Männern für Basketball entschieden, in der anderen Hälfte der Halle spielt eine weitere Gruppe von Jugendlichen des Gymnasiums und aus der ZEA Fußball. Jeder trägt ein Klebeschild mit seinem Namen, die Stimmung ist sportlich und fröhlich.

„Die Flüchtlinge haben ja nicht viele Möglichkeiten, etwas zu tun“, erklärt Senada Esati, 17. Sie leben meist bis zu drei Monaten in der Unterkunft, warten darauf, dass ihre Asylanträge bearbeitet werden, lernen etwas Deutsch und nehmen eventuell an Angeboten teil, die ehrenamtliche Helfer von der Initiative „Wir in Niendorf“ betreuen. Mit der Initiative sind die Schülerinnen und Schüler bestens vertraut. Als vor einem Jahr klar war, dass in Niendorf eine ZEA eingerichtet werden soll, gründete sich die Initiative. Einige der Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium Bondenwald besuchten die Info-Veranstaltung, denn auch sie wollten helfen. „Wir wollten die Flüchtlinge bei uns willkommen heißen und überlegten uns als gemeinsame Aktivität das Sportangebot“, erzählt Lena. „Sport ist gut, um Kontakt aufzubauen“, ergänzt Max Mayer, 17. Da sei es egal, woher man komme, man habe ein gemeinsames Ziel, das verbinde. Das Sportangebot wurde zum festen Bestandteil der Schulinitiative „Soziales Projekt“, in dem sich Schülerinnen und Schüler freiwillig engagieren.

Bis sie ihren Plan umsetzen konnten, mussten die Schülerinnen und Schüler einige Hindernisse überwinden. „Wir mussten einen Termin finden, an dem die Halle frei ist, das war gar nicht einfach“, erinnert sich Anna. Auch der Zutritt zur ZEA musste geregelt werden, was mit einigem behördlichen Aufwand verbunden war. Eine ausreichende Zahl von Schülerinnen und Schülern zum Mitmachen zu gewinnen, war dagegen weniger schwer. „Zu Beginn waren wir acht, jetzt sind wir ein fester Stamm von rund 20 Mitschülern“, berichtet Melanie. „Wir organisieren alles selber, vom Abholen der Flüchtlinge bis zur Betreuung, und das auch während der Ferienzeit“, erklärt Franzi.

„Es macht einfach viel Spaß, andere Leute zu treffen und gemeinsam zu spielen“, beschreibt Luca Gehbauer, 16, seine Motivation. Die Flüchtlinge stammen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan, Albanien oder Kosovo. Die Verständigung verläuft unterschiedlich. „Manche, vor allem Kinder, können schon etwas Deutsch oder wir versuchen es mit Englisch“, so Senada, die Albanisch spricht und deshalb häufig bei Übersetzungen hilft. Als Übersetzerin ist auch Klassenkameradin Lena gefragt, sie spricht Arabisch. Manchmal wird mit Händen und Füßen kommuniziert. Probleme gebe es nicht. Die Mädchen, die etwa in der Basketballmannschaft mitspielen, würden von den männlichen Flüchtlingen akzeptiert, sagt Anna.

Die Aktion der Schülerinnen und Schüler trägt zur Willkommenskultur im Stadtteil bei. „Wenn man sich mal zufällig in Niendorf trifft, dann grüßt man sich und fragt: ‘Hey, was geht?’, sagt Max. Und Franzi findet: „Es ist cool, dass sich so viele aus Niendorf engagieren und wir ein Teil davon sind.“

Laudatio von Hubert Grimm

Ist Adolf Hitler immer noch Ehrenbürger von Uetersen?

Adolf Hitler – ein Ehrenbürger Uetersens?“ – Ein Projekt von acht Schülerinnen und Schülern des Ludwig-Meyn-Gymnasiums in Uetersen
Pate: Hans-Juergen Fink, Hamburger Abendblatt

Acht Schülerinnen und Schüler des Ludwig-Meyn-Gymnasiums in Uetersen stellten sich diese Frage, die bislang in der Öffentlichkeit auf wenig Interesse gestoßen war. Sie blieben bei ihren Recherchen hartnäckig und erreichten schließlich, dass die Politiker ihrer Stadt eine eindeutige Entscheidung trafen.

Nachgehakt: Schüler des Ludwig-Meyn-Gymnasiums ließen nicht locker, bis der Stadtrat eine Entscheidung traf
Nachgehakt: Schüler des Ludwig-Meyn-Gymnasiums ließen nicht locker, bis der Stadtrat eine Entscheidung traf

Es war der Besuch im Heimatmuseum von Uetersen, der den Stein ins Rollen brachte. acht Schülerinnen und Schüler des Ludwig- Meyn-Gymnasiums, waren im Rahmen ihres Kurses „Medien – Wirtschaft – Soziales“ auf der Suche nach einem Thema für das „Uetersen TV“. „Es gab schon länger das Gerücht, dass Adolf Hitler Ehrenbürger von Uetersen gewesen sein soll. Im Museum sahen wir eine Liste mit allen Ehrenbürgern der Stadt ein und fanden den Namen dort tatsächlich verzeichnet“, berichtet Arvid Maiwald, 16. Dem Anführer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft und Hauptverantwortlichen für millionenfachen Mord war 1934 anlässlich der Stadtfeier zum 700-jährigen Bestehen von Uetersen und der Einweihung des Rosariums die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen worden. Der Diktator war zwar nicht persönlich anwesend, hatte den Titel aber später schriftlich angenommen. Dieses Dokument ist vorhanden. „Wir fragten uns, ob es auch ein Dokument gibt, dass die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde belegt“, sagt Florian Steig, 15. Im Museum gab es darauf keinen Hinweis.

So begannen zunächst vier Schüler mit ihrer Spurensuche. „Wir haben per E-Mail die Bürgermeisterin Andrea Hansen (SPD) gefragt, ob sie etwas darüber weiß“, erinnert sich Arvid, der für den Schriftverkehr in der Gruppe zuständig war. Die Bürgermeisterin antwortete, dass sie leider keine schriftlichen Belege habe, verwies aber auf einen Eintrag im Online-Lexikon Wikipedia. Danach sollte Hitler die Ehrenbürgerwürde 1946 vom vorläufigen Stadtrat aberkannt worden sein.

Ein Wikipedia-Eintrag ohne Beleg reichte den Jugendlichen nicht aus. Sie wollten es genau wissen, und so entwickelte sich eine Recherche mit vielen widersprüchlichen und zunächst unbefriedigenden Ergebnissen. Doch die Schülerinnen und Schüler gaben nicht auf. Sie wandten sich erneut an die Bürgermeisterin und befragten auch den Bürgervorsteher Adolf Bergmann (SPD). Sie machten den Autor des Wikipedia-Eintrags ausfindig und kontaktierten Historiker und Experten in der Staatskanzlei des Landes Schleswig-Holstein. „Der Bürgervorsteher berichtete uns, dass es zwei handgeschriebene Bücher des Magistrats gebe, in denen die Aberkennung festgehalten sei, doch die Bücher seien verschwunden“, so Florian. Auch der Wikipedia-Autor konnte keine schriftlichen Quellen vorlegen. Ein Gutachten vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestages, das nach einer Anfrage der Bürgermeisterin an den Präsidenten des Bundestages Norbert Lammert entstand, konnte ebenfalls keine Quellen ermitteln. „Die Formulierungen der Gutachter ähnelten den Worten des Wikipedia-Eintrags“, sagt Christopher Babecki, 19. Auch der Hinweis, sich an das Stadtarchiv in Uetersen zu wenden, war wenig hilfreich. „Leider gibt es bei uns kein Stadtarchiv“, erzählt Arvid. Auf Nachfrage beim Ratsherrn Erhard Vogt (SPD) erfuhren die Jugendlichen, dass die Gemeinden und Städte zwar gesetzlich verpflichtet seien, ein Archiv aufzubauen. Doch meist sei kein Geld dafür vorhanden.

Die Schülerinnen und Schüler gingen einer weiteren These aus dem Gutachten nach, der zufolge eine Ehrenbürgerwürde mit dem Tod des Trägers automatisch erlösche. „Bei unserer Anfrage in der Staatskanzlei erhielten wir darauf zwei widersprüchliche Antworten“, berichtet Arvid. So wurde die Aussage von einem Experten bestätigt, von einem anderen jedoch verneint. Grund dafür seien verschiedene Rechtsauffassungen auf Gemeinde- und Länderebene.

Ihre Recherche-Ergebnisse und Gespräche dokumentierte die Schülergruppe mit der Videokamera und schnitt daraus den Beitrag für Uetersen TV unter dem Titel: „Hitler, ein Ehrenbürger Uetersens?“ Am Ende des Films ließen die Jugendlichen einen ehemaligen Ratsherrn und den Bürgervorsteher aus Uetersen zu Wort kommen. „Beide empfehlen, das Thema in der Ratsversammlung aufzugreifen und einen Beschluss zur Aberkennung der Ehrenbürgerwürde zu fassen“, sagt Florian. Ihren achtminütigen Film stellten die Schülerinnen und Schüler am 12. Dezember 2015 ins Netz. Zusätzlich verschickten sie Pressemitteilungen und erreichten, dass über ihren Film und das Thema in mehreren Tageszeitungen berichtet wurde.

Während ihrer Recherchen hatten die Schülerinnen und Schüler an verschiedenen Stellen das Gefühl, „dass das Thema nicht so ernst genommen wird“, berichtet Florian. Umso erfreuter waren sie, als die Presse das Thema nun aufgriff. Zumindest ein Ziel hatten sie erreicht: „Mit dem Projekt Aufklärungsarbeit zu leisten“, so Arvid. Darüber hinaus hat das Projekt den beteiligten Schülerinnen und Schülern auch neue Erfahrungen vermittelt. „Etwa Durchhaltevermögen und dass man die Dinge kritisch hinterfragen und nicht alles glauben muss, was einem gesagt wird“, fasst Florian zusammen.

Am 15. Dezember 2015 hat die Ratsversammlung in Uetersen schließlich die Frage der Aberkennung auf die Tagesordnung gesetzt. Mit eindeutigem Votum wurde offiziell bekräftigt, dass die Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers aufgehoben sei.

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Mit Musik gegen Rassismus und Terrorismus

Let me speak – Songs zum Thema IS und PEGIDA“ – Ein Projekt von 20 Schülerinnen und Schülern der Stadtteilschule Wilhelmsburg
Pate: Karlheinz Goetsch, Demokratisch Handeln

„Let me speak” heißt die CD, die 20 Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschule Wilhelmsburg produziert haben. Im Profil „Musik“ wollten sie mit eigenen Songs Stellung beziehen gegen Vorurteile, religiöse Verblendung und Hass.

Im gemeinsamen Musizieren haben die Schülerinnen und Schüler des Musikprofils der Stadtteilschule Wilhelmsburg schon lange Übung. Das zeigen die ausdruckstarken Videos auf der Internetseite der Schule. Sie entstanden unter Anleitung von Musiklehrer Ben Lobgesang. Doch die Projektwoche zum Thema „IS und Pegida“ war für die 15- bis 18-jährigen Jugendlichen eine besondere Herausforderung. „Wir haben dazu nicht nur eigene Songtexte geschrieben, sondern mit Profis auch eine eigene CD produziert“, berichtet Nesrin Sargin, 15, voller Stolz.

„Es waren gerade Themen wie die Pegida-Demonstrationen und der Islamische Staat aktuell, die die Schülerinnen und Schüler in einer Projektwoche besprechen und künstlerisch verarbeiten wollten“, sagt Musiklehrer Ben Lobgesang. „Unser Interesse an diesen Themen ist groß – und Musik unsere Leidenschaft“, erzählt Marwa Nasiri, 16. Und zum ersten Mal eigene Texte über Themen von heute zu schreiben, spornte die Jugendlichen zusätzlich an. Aus einer Projektwoche wurden drei. Unterstützt wurden die Schülerinnen und Schüler von dem Profimusiker Fayzen und ihre CD entstand in einem professionellen Tonstudio in Altona. Finanziell wurde das Projekt von der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt.

Doch bevor es ans Texten ging, mussten die Schülerinnen und Schüler erst einmal recherchieren. Sie lasen Zeitungsartikel über die Aufmärsche der Pegida-Demonstranten und ihre rechtspopulistischen Gedanken. Sie sahen Theaterstücke und Filme über die Folgen der extremistischen Ideologie von Salafisten. „In einer Dokumentation wurde gezeigt, wie ein Junge sich dem IS anschloss, weil er der Lüge von einer scheinbar besseren Welt verfiel“, beschreibt Nesrin ihre Eindrücke. Die Jugendlichen notierten ihre Gedanken über Terror und Hass in der Welt. Sie schrieben auch ihre teils persönlichen Erfahrungen mit Vorurteilen auf, die Menschen mit anderen Religionen oder anderer Hautfarbe entgegengebracht werden. Schließlich teilten sie sich in sechs Gruppen auf und jede Gruppe erarbeitete einen Song.

In der Botschaft, die die Lieder enthalten sollten, waren sich die Schülerinnen und Schüler einig. Sie wollten eine Botschaft gegen Gewalt vermitteln. „Wir wollten klarmachen, wie wichtig Toleranz und Frieden sind“, so Marwa. Die Schülerinnen und Schüler sehen sich dabei selber als bestes Beispiel. „Wir schaffen das ja auch in unserer Schule“, sagt Oguzhan Akgün, 15, wie selbstverständlich. „Auf unsere Schule gehen Christen und Moslems. Unsere Eltern kommen aus der Türkei, aus Afghanistan, aus Ghana, von den Philippinen, aus Albanien oder Serbien“, ergänzt Marwa. „Es ist doch egal, woher man kommt, Hauptsache wir verstehen uns“, findet Madiena Noori, 16. Mit dieser Überzeugung und Einstellung gingen sie an ihre Textinhalte heran. Hilfestellung bekamen sie nicht nur von ihrem Musiklehrer und der Sängerin Emily Rothschild. An zwei Terminen erhielten die Schülerinnen und Schüler Tipps von dem Hamburger Songwriter und Sänger Fayzen. „Er hat uns motiviert und uns zum Beispiel gesagt, wie man einen Text besser singen kann und welche Texte besser zum Refrain passen“, berichtet Nesrin.

Damit die Texte auch richtig ankommen, gehört eine eingängige Komposition dazu. „Wir haben unsere Texte zuerst mit Klavier und Gitarre gespielt, um auszuprobieren, welche Stimmlage am besten ist“, erklärt Wendy Otto, 16. Zusammen mit Marwa hat sie an dem Titelsong der CD „Let me speak“ gearbeitet, zu dem es inzwischen ein Musikvideo gibt. Sie und Marwa singen zunächst die ersten Zeilen, bevor nach und nach auch weitere Stimmen einsetzen, um dann mit geballter Energie den Refrain zu singen: „Stop the terror, stop the hate. Join me now, before it’s too late.” – Worte, die sich gegen Terror und Hass und für das Zusammenstehen aussprechen, bevor es zu spät ist.

Zwei Lieder der CD sind in englischer Sprache, die anderen vier auf Deutsch verfasst. So auch das Lied „Alle gleich“. Hier geht es darum, nicht auf die Lügen der Dschihadisten hereinzufallen. Die Musikrichtungen der Songs bewegen sich zwischen Pop und Rap. „Wir wollten möglichst viele Leute ansprechen“, erläutert Oguzhan ihren Ansatz. Alle Instrumente werden von Schülerinnen und Schülern gespielt.

Nach der Fertigstellung ihrer CD gingen die Jugendlichen auf eine Mini-Tournee. Sie präsentierten ihre Lieder im Bürgerhaus Wilhelmsburg, beim Sommerkonzert in der Stadtteilschule Wilhelmsburg und auf einer Veranstaltung des Wilhelm-Gymnasiums in Harvestehude. Die Reaktion von Eltern, Freunden und anderen Konzertbesuchern sei sehr positiv gewesen, berichten die jugendlichen Musiker. „Meine Mutter hat die Botschaft gleich verstanden“, sagt Nesrin und ergänzt: „Wir haben uns voll in das Thema reingehängt und etwas zustande gebracht, worauf wir stolz sind.“

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» Beitrag des NDR

Überleben

Eine szenische Lesung wider das Vergessen“ – Ein Projekt von elf Schülerinnen und Schülern des Abiturjahrgangs der Gelehrtenschule des Johanneums
Pate: Axel Zwingenberger

11 Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs der Gelehrtenschule des Johanneums setzten sich mit den Schicksalen von Überlebenden des Holocaust auseinander und gaben der Erinnerungsarbeit einen neuen Impuls.

Die Jüdin Anita Lasker-Wallfisch wurde 1943 in das KZ Auschwitz deportiert. in dem größten deutschen Konzentrationslager starben weit über eine Million Menschen. Viele wurden gleich nach ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet. Anita Lasker-Wallfisch überlebte das Lager, weil sie Cellistin war. Man brauchte sie im Mädchenorchester von Auschwitz-Birkenau. Das Häftlings-Orchester war gegründet worden, um zur Unterhaltung der Nazis im Lager zu spielen.

Die Geschichte der Musikerin ist eines von mehreren Schicksalen, denen eine Schülergruppe der Gelehrtenschule des Johanneums nachging. Die Jugendlichen wollten sich dem Thema „Holocaust“ über die menschliche Seite nähern. Aber es sollte nicht nur darum gehen, was den Menschen zugestoßen war, sondern auch „wie es mit ihnen weitergegangen ist, wie sie überlebt haben“, erläutert Marguerite Bertheau, 18, das Projekt.

Zunächst hatten sich vier Schülerinnen und Schüler mit den Biografien von jüdischen Holocaust-Überlebenden befasst. Sie lasen die Bücher von Ruth Klüger, Margot Friedlander, Imre Kertész und Primo Levi. In einer Projektwoche entwickelten sie dann ein Konzept für eine szenische Lesung. Die Anregung für das Projekt zur Erinnerungsarbeit kam von der Elsbeth Weichmann Gesellschaft. Die pensionierte Lehrerin Christine von Müller, die am Johanneum Deutsch, Geschichte und Theater unterrichtet hatte, unterstützte die mittlerweile auf elf Jugendliche angewachsene Gruppe bei der Umsetzung.

Auszüge aus den vier Biografien dienten als Basis für die szenische Lesung. „Es waren ja Menschen von ganz unterschiedlicher Herkunft, die zwar ein ähnliches Schicksal teilten, aber ganz unterschiedlich damit umgegangen sind“, erzählt Luise Chassol, 17. So wurden die gebürtige Wienerin Ruth Klüger, die später als Germanistik-Professorin in die USA übersiedelte und der ungarische Schriftsteller und spätere Nobelpreisträger für Literatur Imre Kertész schon als Kinder deportiert. Die Berliner Zeitzeugin Margot Friedlander konnte sich lange vor den Nazis verstecken, wurde jedoch 1944 verraten und nach Theresienstadt verschleppt. Der in Italien geborene Chemiker und Schriftsteller Primo Levi war im Widerstand aktiv. Er wurde gefangen genommen und nach Auschwitz- Monowitz deportiert, wo er als Zwangsarbeiter für die Buna-Werke arbeiten musste. Alle verarbeiteten ihre Erlebnisse in individuellen Texten. Imre Kertész erzählte die Geschehnisse aus den Augen eines Kindes. Nüchtern beschrieb dagegen der Wissenschaftler Primo Levi „wie er darauf achtete, sich auch im KZ regelmäßig zu waschen, um die eigene Würde zu bewahren“, berichtet David Lubotsky, 17. Die Schülerinnen und Schüler suchten Lebenssituationen heraus, die für die einzelnen Personen bedeutsam waren. Weil es neben den Unterschiedlichkeiten auch viele Parallelen in der Entwicklung der Lebensläufe gab, teilten sie ihre Textsammlungen in drei Blöcke ein: die Ausgangssituation, der Ausnahmezustand im Lager und das Weiterleben. „Wir wollten deutlich machen, wie sich die Menschen verändert haben in einer Extremsituation, die zu einer Identitätskrise führte und auch nach Auschwitz noch lange nicht vorbei war“, beschreibt Emma Glasmeyer, 17, die Vorgehensweise. Hier sahen die Schülerinnen und Schüler den wichtigsten Ansatz, den sie auch ihrem Publikum vermitteln wollten. „Man hat ja schon viel über den Holocaust gehört, aber durch das Hineinversetzen in die Geschichten der Überlebenden wird man viel mehr zum Nachdenken angeregt“, so Carla Vollmoeller, 18.

Am 20. September 2015 fand die Veranstaltung mit dem Titel „Überleben – eine szenische Lesung wider das Vergessen“ schließlich im Resonanzraum des Bunkers an der Feldstraße statt. „Als dunkler, düsterer Raum war es der passende Ort für unsere Lesung“, erklärt Marguerite die Wahl des Ortes. „Mit zusätzlichen Effekten über Licht und Musik konnten wir die Aufmerksamkeit der Zuschauer gleich zu Beginn einfangen“, ergänzt David. Das Konzept ging auf.

„Nach der Lesung waren viele Zuschauer tief bewegt und es hat einen Augenblick gedauert, bis es Applaus gab“, erinnert sich Laurenz Komatsu, 16. Im anschließenden Gespräch standen die Darsteller dem Publikum für Fragen zur Verfügung. „Die Reaktionen waren nachhaltig, Lehrkräfte und Eltern haben sich noch lange über die Aufführung unterhalten“, berichtet Carla. Der Austausch führte auch zu aktuellen Themen, wie den Angriffen auf Flüchtlingsheime. „Deshalb ist es so wichtig, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen“, ergänzt Emma. Für die Schülerinnen und Schüler war das Projekt eine außergewöhnliche Erfahrung. „Je mehr man sich mit einem Schicksal beschäftigt hat, desto näher ist man der Person gekommen, die man dargestellt hat“, sagt Luise. Es sei ein anderer Blickwinkel, den man im üblichen Unterricht nicht einnehmen könne.

Laudatio von Axel Zwingenberger

Ausschreibung BERTINI-Preis 2016

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Die Ausschreibung richtet sich an alle Hamburgerinnen und Hamburger zwischen 14 und 25 Jahren. Sie können sich einzeln, als Gruppe oder mit ihrer Schulklasse mit ihrem Vorhaben um den BERTINI-Preis 2016 bewerben oder von Dritten für ihr couragiertes Eintreten gegen Unrecht, Ausgrenzung oder Gewalt von Menschen gegen Menschen in dieser Stadt für die Auszeichnung mit dem BERTINI-Preis 2016 vorgeschlagen werden.
Bewerbungen um den BERTINI-Preis 2016 bzw. Vorschläge für die Auszeichnung mit dem BERTINI-Preis 2016 können bis zum 21. November 2016 eingereicht werden weiterlesen