AUF DEN SPUREN DER BERTINIS

Ein literarischer Spaziergang zu Orten in Ralph Giordanos Kindheit und Jugend im Stadtteil Barmbek
EHRENDES ANDENKEN: RALPH GIORDANOS LESESESSEL UND ANDERE EINRICHTUNGSGEGENSTÄNDE AUS SEINEM ARBEITSZIMMER IN DER GESCHICHTSWERKSTATT BARMBEK.

Seit vielen Jahren führt die Geschichtswerkstatt Barmbek einen Stadtteilrundgang zum „Barmbeker Jung“ Ralph Giordano und seiner Familie durch. Im Rahmen eines „literarischen Spaziergangs“ werden ausgewählte Passsagen aus dem Buch „Die Bertinis“ erzählt. Der Spaziergang nimmt die Ambivalenz einer lebensfreudigen, aber auch komplizierten und nicht immer sympathischen Barmbeker Familie in den Blick. Neben den persönlichen und sozialen Problemen und dem tagtäglichen Kampf um ein „anständiges Leben“ bringt der Nationalsozialismus mit seinerrassistischen Verfolgung und Kriegshandlungen das Leben der Familie nicht nur durcheinander, sondern führt zu existenzieller Bedrohung. Der Spaziergang führt durch Barmbek, orientiert an den Schulwegen der Kinder, den Nachmittagsvergnügungen z. B. in der Sandkiste, dem Leben in der Hufnerstraße und Fuhlsbüttler Straße, der Nähe zur Swingmusik im jugendlichen Alter und ersten Liebschaften. Berichtet wird über ein Leben im Stadtteil Barmbek in schwieriger Zeit, in der die Familie aufgrund ihres italienisch-schwedischjüdischen Hintergrunds „aus der Rolle“ fiel und in ein Kaleidoskop von familiären Strukturen eingebunden war. Das Gesamtbild des Stadtteils wird in dem Buch komplettiert durch die atmosphärische Schilderung der unterschiedlichen Nachbarschaften und Barmbeker Verhältnisse. Als wenn es ein literarisches Konstrukt wäre, lernt Roman Bertini auch noch, wie es im Buch heißt, „eine Barmbeker Berühmtheit“ kennen: den mit seinem Kosenamen eingeführten Afrodeutschen „Mickey“– Hans-Jürgen Massaquoi. Nach dem Krieg treffen sich Ralph Giordano und Hans-Jürgen Massaquoi wieder, werden Freunde und führen 1999 ein vielbeachtetes öffentliches Gespräch in der Barmbeker Geschichtswerkstatt.

Ralph Giordano war Mitglied und Förderer der Geschichtswerkstatt Barmbek. Zweimal im Jahr führt Michael Grill aus der Geschichtswerkstatt den literarischen Spaziergang „Auf den Spuren der Bertinis“ und einmal im Jahr einen literarischen Spaziergang zu Hans-Jürgen Massaquoi und seinem Buch „Neger, Neger, Schornsteinfeger“ durch. Der nächste Rundgang findet statt

am Samstag, dem 2. September 2017, um 14 Uhr,
Treffpunkt: Hufnerstraße / Ecke Hellbrookstraße.

Auch die Stadt Hamburg pflegt die Erinnerung an Ralph Giordano: Am 23. Mai 2017 hat der Senat beschlossen, in Barmbek-Nord die zwischen der Drosselstraße und der Pestalozzistraße liegende Teilfläche der Fuhlsbüttler Straße, nördlich des Bahnhofs Barmbek, als „Piazzetta-Ralph-Giordano“ zu benennen. In der Begründung heißt es: „Damit wird an den in Barmbek geborenen Journalisten, Publizisten, Schriftsteller und Regisseur Ralph Giordano (1923-2014) erinnert. Die Bezeichnung ‚Piazzetta‘ greift zum einen den in der Planungsphase benutzten Begriff ‚Piazzetta Barmbek‘ auf und ist zum anderen eine Reminiszenz an die italienische Abstammung Giordanos.“


DOWNLOAD

» BERTINI-PREIS 2016

Die neue » Broschüre mit allen Informationen zu allen Projekten und rund um den BERTINI-Preis.

 

 


Lasst Euch nicht einschüchtern!

_bertini_logo_blau-1024x307

Hinschauen, wenn andere wegsehen.
Sich einmischen, wenn andere schweigen.
Erinnern, wenn andere vergessen.
Eingreifen, wenn andere sich wegdrehen.
Unbequem sein, wenn andere sich anpassen.

Der BERTINI-Preis zeichnet Einzelpersonen, Gruppen oder Schulklasse für couragiertes Eintreten gegen Unrecht, Ausgrenzung oder Gewalt von Menschen gegen Menschen in dieser Stadt aus.

Lasst Euch nicht einschüchtern